Mein erster Brevet... 200 km Brevet

Es ist Abend, der 13.04.2002 - obwohl es nicht meine ersten 200 km sind (ich denke es waren min.15 an der Zahl und einmal 296 km) steigt in mir die Anspannung auf den bevorstehenden Tag mit jeder Stunde. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich erst im April 2001 mit dem Radsport angefangen habe. Hatte bisweilen meine Höhepunkte in 2001 mit dem Nordschwarzwald Radmarathon in Magstadt (244 km und 4050 hm) in 10:44 Std. Fahrzeit erfolgreich bewältigt und einem SURM Schwarzwald Ultra Radmarathon in Alpirsbach (225 km und 400 hm) bei 2Grad Celsius und strömenden Regen in kurzer Radhose usw. nach 34 km abgebrochen. Endlich ist es soweit, der Wecker klingelt am 14.04.2002 um 02:30 Uhr in der Früh. Nach dem Kaffee das Rad ins Auto und los. Es ist jetzt 3:30 Uhr und die Spannung steigt. Nach 2:30 Std. bin ich endlich in Osterdorf (Fränkische Alb) eingetroffen. Dort wurde ich herzlichst von Karl, seiner Familie und den bereits anwesenden Randonneuren begrüßt. Nachdem ich mich angemeldet habe gönne ich mir noch ein Frühstück und einen Plausch mit den neuen und alten Hasen der Langstreckenfahrten. Endlich ist es soweit, der Start wird vorbereitet und pünklich um 08:30 Uhr fahren wir im geschlossenen Verband mit ca. 48 Mann durch Pappenheim. Doch was ist das, nach bereits 5 km leichtes einrollen mit 30-35 km/h :-) erhöhte eine Gruppe von ca. 20 Leuten das Tempo. Ach was soll's bleiben wir dran, dachte ich voller Euphorie - nach ca. 10 km besonn ich mich darauf, dass ich ja noch ca. 185 km vor mir habe. Also einen Tick langsamer, aber immer noch Sichtkontakt haltend. Ich tat mich mit einem weiteren Abreißer zusammen. Wir hielten dabei immer die Nadel auf 32-36 km/h, was mir bei den ewigen leichten Wellen teilweise sehr schwer fiel. Bei der ersten Kontrolle hatte n wir einen Durchschnitt von 31,4 km/h. Plötzlich sammelten wir einen weiteren Fahrer ein - ein Unikum, nein nicht der Fahrer sondern sein Vehikel - ein altes Damenrad in 26", handgelöteter Stahl aus den 70ern ohne Gangschaltung. Ich war erstaunt, unsereins mit High Tech unterwegs und dieser Kerl mit Alteisen. Wir waren also von diesem Moment an zu dritt unterwegs. Der Kerl mit dem Alteisen fuhr ganze 40 km in unserem Windschatten mit, danach ließ er abreißen. Er bedankte sich für die gemeinsamen Kilometer und wir wünschten Ihm noch eine gute Fahrt. Wir sollten uns wiedersehen, aber erst in Zielnähe. Bei der zweiten Kontrolle nach 126 km musste ich eine etwas längere Regenerationspause (ca. 20-25 Min.) einlegen, da mir das Durchschnittstempo von 28,3 km/h einfach zu kräfteraubend war. Mein Mitfahrer fuhr nachdem er seinen Kontrollstempel abgeholt hatte alleine weiter. Gestärkt begab ich mich alleine auf den Weg zur dritten Kontrolle welche die 158 km Marke sein sollte. Ich ließ es langsam und genussvoll angehen um die Landschaft zu genießen. Es war so herrlich, dass ich mich auf einer Anhöhe bei Kilometer 144 zwischen Buch und Pondorf anhielt um den Weitblick und die Natur um mich herum wirken zu lassen und in mich aufzunehmen. Bei der dritten Kontrolle war bereits Routine angesagt, Karte abstempeln, Flüssigkeitsreserven auffüllen und weiter ging's auf die letzten Kilometer auf denen ich mich auch noch unnötigerweise verfahren sollte. Nach einem unfreiwilligen aber selbstverschuldeten Umweg von ca. 10 km war ich wieder auf der Route. Bei Kipfenberg sollte ich auch wieder auf den Kerl mit dem Alteisen stoßen. Ich traute meinen Augen nicht er fuhr keuchend mit hochrotem Kopf vor Anstrengung eine 10% Steigung mit seinem Damenrad im Wiegetritt hinauf. Mir fehlten die Worte, ich war beeindruckt - immer noch und das bis heute. Nach 214 gefahrenen Kilometern kam ich ins Ziel mit klatschendem Beifall, den mir die schnelleren bereiteten. Es war für mich ein Erlebnis, welches sich bei den 300er, 400er und 600er Brevets noch steigern sollte. Ich denke oft daran zurück - wir waren wie eine große Familie - es zählte nicht die Zeit in der man(n)/Frau es schaffte, sondern das Dabeisein war es, was für jeden zählte.