Bericht von meinem ersten 200ér Brevet

Bereits am Vorabend stellte sich gewisse Nervosität ein, noch nie bin ich 200Km am Stück geradelt. Welche Klamotten (zu warm, zu kalt?), welche Gepäcktaschen (Lenkertasche oder doch lieber Rucksack?), ist mit dem Rad alles o.k.? Wird die neu vernietete Kette halten usw…….
Die Nacht war gespickt mit taktischen Überlegungen, wie geht man das Ganze an, soll ich doch evtl. andere Klamotten anziehen/mitnehmen? Zwischenzeitlich fand ich dann auch noch die notwendige Ruhe, so dass ich einigermaßen fit nach dem läuten des Weckers um 6:30 Uhr aufstand.
Das Rad wurde verladen, die Lenkertasche gepackt, ausführlich mit meiner Frau gefrühstückt (die es sich nehmen ließ, mir meine Nervosität zu nehmen, danke dafür mein Herzblatt!) und zu guter Letzt wurde ein Teil der Tour-Klamotten angezogen.
Mit dem Auto fuhr ich dann um 08:15 Uhr die ca. 12 Km nach Osterdorf. Dort angekommen, begab ich mich erstmals zur Anmeldung. Auf dem Weg dorthin begrüßte mich schon Karl Weimann, der mich auch noch zum Frühstück schicken wollte.
An der Meldestelle stand bereits eine beträchtliche Schlange Randonneure an, die ebenfalls ihre Unterlagen abholten. Was musste ich alles hören, Paris- Brest- Paris, 1000ér, Fleché, Ötztal- Marathon usw…… auf was hab ich mich da nur eingelassen?
Es folgte der Kontrollblick auf die Uhr. Mist, das Rad war noch nicht montiert, die Klamotten noch nicht komplett angezogen, und die Schlange vor mir nahm einfach nicht ab! Ob ich das alles noch zeitlich auf die Reihe bekomme?
Nachdem ich die Unterlagen bekam, ging es dann schnurstracks zum Wagen, um die restlichen Vorbereitungen zu treffen. Pünktlich um 09:00 Uhr stand ich dann bereit für „mein persönliches großes Abenteuer" bei Temperaturen um ca. 4° und Sonne pur!
Nach kurzer Ansprache von Karl, ging es endlich los. Schon nach den ersten Km konnte ich mich mit der Geschwindigkeit die Karl vorgab identifizieren, so dass mein Vorsatz lautet Karl zu verfolgen. Zusätzlich hatte die „Verfolgung" den Vorteil sich nicht zu verfahren. So kam ich mit Karl ins Gespräch und wir fuhren bei besten Bedingungen „geschmeidig" Richtung Altmühltal.
Zwischenzeitlich gesellte sich Torsten hinzu, der für die restliche Strecke zusätzlich unser/mein Wegbegleiter war. Bis zur ersten Kontrolle lief alles nach Plan, entspannt und angetan vom Feeling und dem Wetter holte ich mir meinen ersten Stempel. Zur Banane und dem Wasser, wechselte ich die Wintermütze gegen ein Kopftuch und auch der Rollkragen- Pulli und die Winterhandschuhe mussten sommerlichen Kleidungsstücken weichen.
Weiter ging es Richtung Riedenburg, etwas wellig aber wo es rauf geht, geht es auch wieder runter.Nach einer schönen Abfahrt nach Prunn (kurz vor Kehlheim) ging es dann weiter Richtung Painten und da wartete es, das erste „Monster"! Kurzzeitig zeigte mein Höhenmesser eine Steigung von 18% und mein Pulsmesser eine Herzfrequenz von 185 an, egal, kurbeln und hoch das Ding. In Painten holten wir uns unseren 2. Kontrollstempel, die Wasserflaschen wurden gefüllt und für weitere Energie gesorgt. Weiter ging es zum dritten Abschnitt, ab da nur noch gegen den Wind! Das erste Ziel dieses Abschnitts war Riedenburg. Von da an fuhren wir die Altmühl entlang nach Beilngries und von dort nach Kinding. Die Strecke ist äußerst sehenswert, nur kenne ich die Gegend vom Motorradfahren zur genüge und die Km bis nach Kinding waren „meine schlimme Phase". Mittlerweile waren Torsten und ich nur noch zu zweit unterwegs, so dass sich die „Windspiele" an der Herzfrequenz zeigten, die für den Abschnitt eindeutig zu hoch war. Eigentlich hätten wir nur das Tempo rausnehmen müssen, um uns dann der „Meute" anzuschließen, aber wir fuhren stur unseren Stiefel weiter. Im Rückblick erkenne ich, dass ich mich in solchen Situationen mehr mit der Randonneure- Philosophie „beschäftigen" sollte! Endlich erreichten wir Kinding, den dritten Stempel geholt und als „Nachtisch" zu den Müsliriegel und Powerbar´s gönnte ich mir ein leckeres Stück Mohnkuchen. So saßen wir in der Sonne, geschützt vom Wind und genossen den Moment sowie die längere Pause. Bevor es weiterging, wurden die Flaschen befüllt und mit dem „Hauptfeld" ging es dann auf die letzten 60-70 KM. In Eichstätt fuhren wir noch über Kopfsteinpflaster (wie hässlich) zum letzten Abschnitt der Tour. Ab und an hörte man, „wie es denn mit einem Cappuccino im Straßencafé wäre", aber so kurz vor dem Ziel hatten wir anscheinend nicht mehr den nötigen Drive für eine Pause. Weiter ging es Richtung Dollnstein, kurz hinter Obereichstätt kam das zweite „Monster". Rechts ab, ein 15%íger Anstieg und das nach ca. 175 Km. Da ich mich ja immer noch in meiner ersten Radsaison befinde, erlebte ich „Hügelfahren" in einer neuen Dimension. Nichtsdestotrotz ging es den Anstieg hoch, nach Schernfeld. Nach 2 KM „Regenerations- Rollen" kam dann noch ein kurzer 10%iger der ebenfalls bezwungen wurde. Anschließend führte die Strecke hinunter ins Altmühltal bzw. Richtung Solnhofen. Als wir im Tal ankamen, spekulierte ich mit einer ebenerdigen Fahrt bis nach Pappenheim. Laut dem Straßenschild waren wir nur noch 9KM von Pappenheim und von dort nochmals 2 Km von Osterdorf entfernt. Aber dem war nicht so. Im Gegenteil die Streckenführung sah einen Abzweig nach Hochholz vor. Und wie der Name des Ortes Verrät ging es, ….. genau nach oben! Nochmals gute drei KM hinauf, auf die Steigung achtete ich schon nicht mehr, für mich zählte nur noch kurbeln, kurbeln und nochmals kurbeln….
In der Passage machte sich auch der erste Krampf im Oberschenkel bemerkbar, also wurde heruntergeschaltet und ganz sachte ging es weiter nach oben. Von Hochholz fuhren wir dann nach Bieswang (ebenfalls bergan) und dann ging es etwas wellig ins Ziel.
Mein erstes 200Km- Brevet wäre also geschafft!
Im Ziel holte ich mir den letzten Stempel und bekam meine Urkunde ausgehändigt. Was war ich in dem Moment Stolz. So gönnte ich mir zum Abschluss noch einen Teller Suppe und ein Stückchen Kuchen (das Beste was einem nach so einer Tour passieren kann).
Hier möchte ich ein Lob an Karl und sein Orgateam anbringen, ihr ward einfach Spitze! Kurz nach dem Mahl spürte ich wie Energie plötzlich in die Beine floss (die göttliche Speise war anscheinend mit Epo getunt ;-). Da wurde mir schnell bewusst, dass ich während der Tour zu wenig Nahrung und Flüssigkeit zu mir genommen hatte.
Ziemlich fertig verstaute ich mein Rad im Wagen und fuhr dann kaputt und zufrieden nach Hause.
Fazit:
Meine ersten 200Km fanden in einem ganz tollen Rahmen statt, nochmals Danke an das Orga- Team! Danke auch an meine Mitstreiter, dass ich als Newbie bei euch mitfahren durfte. Es hat verdammt viel Spaß bereitet auch wenn ich nicht der „geselligste Mitfahrer" war.
Trotzdem, aufgrund der Schindereien in den letzen Km bin ich der festen Absicht, dass dies der erste und letzte „Marathon" war. Die Hatz nach dem Schnitt (Altmühltal, gegen den Wind) kostete mich zur Mitte des Marathon zu viele Körner, so dass mir zum Ende die Power fehlte um die letzten Anstiege „problemlos" zu meistern.

Nach mittlerweile zwei Tagen Erholung sind meine negativen Eindrücke zum Ende des Brevets verflogen. Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich solche Gedanken überhaupt aufkommen ließ. Stattdessen machen sich im Hinterkopf so Hirngespinnste bemerkbar die da lauten: 300ér, 300ér, 300ér……;-)
Um dies zu erreichen, muss ich unbedingt an meiner Strategie arbeiten. Ein Spezl (Marathon- Läufer) von mir behauptet, ein Marathon wird in den letzten 10% entschieden. Mit etwas Abstand und Ruhe kann ich die Aussage nur bestätigen.
Na mal sehen, wie es weiter geht! Ich werde berichten…..