Mit dem Pino (Tandem) 420km durch Bayern immer knapp am Zeitlimit

Ein Bericht von Helmut, dem hinteren Teil des Pinos, über den 400er in Osterdorf 2007.

Wir kommen nach einer langen Anfahrt (550 km) und einiger Zeit mitten in einem Stau um 17:30 in Osterdorf an. Als erstes wird das Rad fertig gemacht, danach gibt es beim alten Wirt noch eine Portion Nudeln und dann geht's zum Start.
Die Startzeit 20:00 finde ich perfekt. Ausgeruht in die Nacht zu fahren ist leichter als am Ende eines langen Radtages müde die Nacht zu bewältigen. Wie immer haben Karl, Heidi und ihre fleißigen Helfer alles perfekt vorbereitet. Einem guten Brevet steht eigentlich nichts mehr im Weg. Karl begrüßt vor dem Start noch offiziell, am Autodach stehend, mit Megaphon seine Schützlinge, gibt noch ein paar wichtige Hinweise zu Strecke und gibt den Start frei.
Auch irgendwas von Umleitung folgen oder so, war da auch noch zu hören, glaube ich.

Wir starten mit einem Radgewicht von 37 kg. Wir haben wohl beim Einpacken etwas übertrieben (1,5 kg Bananen, 4 Liter Getränke und noch vieles mehr). Schließlich habe ich eine perfekte und fürsorgliche Hausfrau, die immer darauf schaut dass es ihrem Buben an nichts fehlt, an meiner Seite, d.h. eigentlich vor mir.

Wir starten, und nach nur wenigen Kilometern ist weit und breit kein anderer Randonneur mehr zu sehen. Bis Kinding läuft es richtig gut, was auch nicht verwunderlich ist, schließlich geht es fast nur bergab. Danach beginnen die ersten Anstiege. Schon beim ersten Anstieg beginnt mein Knie Probleme zu machen. Ich bin beim Knie sehr empfindlich auf Kälte und Feuchtigkeit. Die Beinlinge sind zuwenig, beim nächsten Mal werde ich in der Nacht wieder meine lange warme Radhose verwenden, das zusätzliche Gewicht muss ich wohl in Kauf nehmen.

In Staadorf nach 66 km holen wir den ersten Randonneur an der ersten von mehreren noch folgenden Baustellen ein. Leider hat er es später wegen eines Rahmenbruchs nicht ins Ziel geschafft. Bei dem Schotter fallen wir auch ganz leicht auf die Nase, aber es hatte keine Folgen. Etwas verwundert bin ich als uns etwas später ein Rennradfahrer und ein Trike überholen. Die Beiden haben sich wohl irgendwo verfahren und sind so hinter uns gelandet.

Nach vielen Auf und Abfahrten kommen wir nach Utzenhofen wo wir uns kurz verfahren und statt des normalen Anstiegs zur Kirche den doppelt so steilen direkten Weg nehmen. Um 3:00 erreichen wir den ersten Kontrollpunkt an der Autobahnraststätte Oberpfälzer Alb Süd. Natürlich gab es einige verwunderte Blicke über uns Radfahrer an der Autobahnraststätte. Die beiden Fahrer die uns zuletzt überholten sind gerade mit ihrer Pause fertig und machen sich zur Weiterfahrt bereit während wir uns zuerst den Stempel holen und danach noch einen Erbseneintopf essen. Auch der Gang auf die Toilette ist unvermeidlich. Als wir wieder weiterfahren, kommt gerade noch im Zeitlimit, der Fahrer mit dem späteren Rahmenbruch zur Kontrolle.

Im Morgengrauen erreichen wir im Nebel den Radweg Laubmühle entlang der Vils. So eine Fahrt durch die Nacht in den Morgen ist sehr stimmungsvoll. Die Vögel zwitschern die Frösche quacken, mein Hinterteil brennt und mein Knie singt sein eigenes trauriges Lied. Einfach idyllisch.

Unmittelbar vor Gunzendorf km 197 gibt es eine kleine Abfahrt dessen Schwung wir ausnutzen um die darauf folgende 100 m lange ca. 10%Steigung soweit wie möglich hinaufzukommen. Oben angekommen erinnerten wir uns dass vor dem Anstieg ein Schild stand dass nach Penzenreuth zeigt. Also fuhren wir wieder runter zur Abzweigung, um zu erkennen das auch ein Umleitungsschild dabei war dass wieder hinauf zeigte. Wir erinnerten uns an Bruchstücke der Erklärungen von Karl beim Start „Folgt einfach den Umleitungsschildern", was wir dann auch befolgten.
Allerdings waren mittlerweile so viele Baustellen und Fahrverbote dass wir uns nicht mehr sicher waren welche er meinte. Wir hätten doch besser zuhören sollen. Wir beschlossen in diesem Falle die Umleitung zu nehmen und kamen nach einem „wunderbaren" Anstieg statt über Penzenreuth-Masnitz-und Horlach über Neuhof- dann gegen die Einbahn durch Pegnitz von der falschen Seite zur 2.Kontrolle. Natürlich sind wir nicht am Schild „Motel gesperrt bitte schieben" vorbeigekommen sondern wie es sich gehört, falsch d.h. zu früh eingebogen und direkt hinter dem Motel gelandet. Es hat dann noch einige Zeit gedauert bis wir unter erstaunten Zuschauern bei der Raststation gelandet sind. Diese war total überfüllt und ich musste mich erst durchkämpfen und jemanden überreden mir einen Stempel incl. Zeit und Unterschrift zu geben. Wir hatten gerade noch 20 min Vorsprung auf das Zeitlimit und versuchten erst gar nicht uns zu verpflegen. Wir aßen stattdessen je 2 Bananen und fuhren weiter. Wir merkten natürlich bald dass 2 Bananen und ein Erbseneintopf etwas zuwenig für über 200 km sind. Bei der Ausfahrt von der Raststätte bogen wir richtig ab und sahen dann auch das Schild das uns richtig zur Kontrolle geführt hätte. 5 km später kam uns noch das Trike entgegen dass dann später leider das Zeitlimit nicht mehr packte und ein Liegeradler der auch irgendwie hinter uns gelandet ist.

Wir fuhren Steigung um Steigung und kamen irgendwann irgendwie nach Ebermannstadt. Dort mussten wir unbedingt eine Esspause einlegen. Wir tranken unsere obligatorischen Colas, aßen etwas und füllten unsere Trinkbehälter wieder voll auf (4 Liter - 4 Kilo), sonst wären wir zu leicht für die Abfahrten gewesen. Diese Pause hielt uns doch etwas länger auf als wir uns vorgenommen hatten. Zur 3. Kontrolle wurde es mit der Zeit wieder sehr knapp. Es waren nur wenige Minuten vor dem Limit. Bei unserer Ankunft fuhren gerade ein Rennradler und ein Liegeradler wieder los. Trotz Zeitknappheit gönnten wir uns noch je ein „Gatschlaberl", auf Deutsch Hamburger, großes Cola und eine süße Kirschtasche. Bis zur 4. Kontrolle in Heßdorf lief es ganz gut. Dort tranken wir nur noch ein Cola und fuhren gleich weiter. Ganz besonders in Erinnerung blieb mir noch CADOLZBURG.

Auf den Brevets von Karl kannst du dich auf eines immer verlassen, wenn du irgendwo eine Strasse siehst die auf einem Berg zu einem Dorf, einer Kirche oder sonst etwas führt, und du dir denkst „es wird wohl hoffentlich nicht da rauf gehen" ES GEHT DA RAUF. Wenn du dir einmal nicht sicher bist ob du links oder rechts abbiegen sollst, wenn einer der Wege bergauf führt, dann fahre bergauf, das stimmt bei Karl immer. Das ist so sicher wie das Amen im Gebet.

CADOLZBURG ist einer dieser Orte die du schon von weitem auf dem Berg siehst. Ein nicht endenwollender gerader steiler Anstieg. Ich glaube sogar erkannt zu haben dass es ein schöner Ort war. Bin mir aber nicht mehr sicher, da ich nur noch Sterne sah.

Die 5.Kontrolle in Untersteinbach ist privat. Die Familie Loy hat sich sehr viel Mühe gegeben. Ein Riesentransparent führt uns direkt zur Kontrolle. Dort gibt es alles was sich ein
Randonneur nur wünschen kann. Das wir wieder sehr knapp dran waren ist auch klar. Wir lassen uns fast zuviel Zeit weil wir hörten dass es nur noch bergab geht.

Karl sei Dank, wir durften bereits nach 400km in Weißenburg den letzten Stempel holen und haben so gerade noch (3 Minuten) dass Zeitlimit und damit die 400er Qualifikation geschafft.
Zuerst wollten wir erst beim McDonald diesen Stempel holen, aber der Sicherheitsgedanke überwiegte und wir stempelten gleich bei der Ortseinfahrt bei der Tankstelle. Erst da sahen wir wie knapp es war. Irgendwie hatten wir nicht mehr ans Zeitlimit gedacht.
Trotzdem
è Arschknapp aber GESCHAFFT.

Für den Rest nach Osterdorf verbrauchten wir den letzten Rest unserer Kräfte. Irgendwie war mit dem letzten Stempel die Luft draußen, es ging fast nichts mehr.

Das Highlight aber waren KARL und FRANK, die uns ein Stück entgegen kamen und die letzten Meter anfeuerten. Als ich vom Rad abstieg viel ich in mich zusammen, es ging einfach gar nichts mehr, meine Gabi ist da etwas zäher. Die Beiden Karl und Frank halfen mir in die Küche und versorgten uns mit Essen und Trinken.

Wir kamen 1,5 Stunden nach dem Zielschluss um 00:30 ins Ziel, und es war keiner entnervt weil solange auf uns gewartet werden musste sondern man gönnte uns auch noch eine Ruhepause bevor dann das „Lokal" geschlossen wurde. Karl und Frank waren auch müde, sind ebenfalls den 400er gefahren und warteten und halfen trotzdem bis zum Schluss.

DANKE - Ihr seid großartig.
Randonneur zu sein ist etwas besonderes, und das lernt man nirgends besser als in Osterdorf.
Es gibt viele Veranstalter, aber soviel Zusammenhalt, Hilfe und Freundschaft gibt es nur in Osterdorf.

Unser Dank gilt Karl, Heidi, ihrer Familie allen fleißigen Helfern und allen Randonneuren.
Eine tolle Veranstaltung, tolle Leute und eine sauschwere aber wunderschöne Strecke. Wir fuhren durch herrliche Landschaften, schöne Orte und das bei schönem Wetter mitten im Frühling.
Einfach herrlich !!!!


Analyse bzw. was müssen wir beim 600er besser machen.
1.Bei den Kontrollen gezielter und schneller einkaufen, verpflegen und pinkeln (mit gezielt ist nicht die Zielsicherheit in den dafür vorgesehenen Behälter gemeint).
2.Gewicht sparen. Wir haben uns in letzter Zeit viel mit dem Jakobsweg befasst, bzw. Vorträge gesehen und Berichte gelesen. Und ein Spruch der sich überall findet und auch für uns als Randonneure adaptieren lässt lautet „Der Weg wird für dich sorgen". Das heißt wir werden nur mehr soviel Getränke und Futter mitnehmen wie wir für 50 bis 80 km brauchen. Es ist besser alle 50km eine 10 minütige Pause zu machen als sich mit Übergebäck durchzukämpfen.
3.Das Rad wird vom Pino zum Pino light abgespeckt. Alles was nicht sein muss kommt weg.
4.Etwas schneller werden
5.Noch etwas schneller werden
6.Und noch etwas schneller kann auch nicht schaden.

Gabi und Helmut Mittendrein Graz