Brevet 200 Nordbayern, 26.03.2011

Die erfolgreiche Teilnahme am 200er Brevet in Wankum hat mich dazu animiert, auch das 200er bei den Nordbayern, bei Karl Weimann mit dem Brompton zu versuchen.

Nun hat der Kurs bei Karl einen völlig anderen Charakter als der in Wankum. Mittelfranken ist hügelig, sehr hügelig manchmal und Karl neigt dazu, die Topographie auszunutzen. Der Ratschlag eines Teilnehmers: Wenn du an einer Gabelung stehst und weißt nicht, welche Abzweigung die richtige ist, nimm die steilere. Wenn beide gleich steil sind, so schaue, ob irgendeine Sehenswürdigkeit, und sei es ein einzelner Baum auszumachen ist und fahre dort entlang.
Der 25.03. ist gekommen. Ich muss nur halbtags arbeiten und mache mich gemeinsam mit meiner Frau nachmittags auf den Weg nach Pappenheim. Wir haben uns eine entzückende kleine Ferienwohnung gebucht, die darüber hinaus recht preiswert ist. Die Autobahn über Würzburg ist ausnahmsweise staufrei, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das zum letzten Mal erlebt habe, wir kommen vor der Dunkelheit an.
Das Brevet startet am Samstag Morgen um 09: 00 Uhr. Wir sind gegen 08: 00 vor Ort und es sind bereits viele Radler da. Heidi und Karl begrüßen uns mit Namen und großer Herzlichkeit, die Atmosphäre in Osterdorf ist wie immer großartig. Ich sehe mehrere Gesichter, die auch in Wankum waren. Im Gemeindehaus, wo auch die Anmeldung zu finden ist, gibt es Kaffee und Frühstück, alles, was das Herz begehrt. Kurz vor Start erfahren wir, dass 225 Radler starten.
Ich hole das verpackte Brompton aus dem Auto, baue auf und ernte manche Blicke, deren Skala von freundlicher Zustimmung bis zu einer gewissen Irritation reichen. Da und dort wird ein Foto gemacht.
Wir stellen uns auf, Karl hält seine Ansprache: Es musste eine Streckenänderung geben wegen Bauarbeiten, ein bestimmter Berg fällt weg. Stattdessen werden wir ein Stück flaches Altmühltal fahren, was den versammelten Radlern ein vielstimmiges "Ooooch" entlockt.
Altbekannte Räder und ihre Fahrer sind zu sehen, um nur einige zu nennen: Martin mit seinem Quest ist da, auch die Tridem-Brothers machen mit ihrem neuen dreisitzigen Rad mit. Das Tandem mit dem blinden Stroker ist vertreten und kurz vor dem Start wacht auch T. in seinem Auto auf und erscheint noch etwas verpeilt. Natürlich Frank wie immer mit zwei dicken Packtaschen. Die Liegeradfraktion ist beachtlich gut vertreten.
Mein Nachbar im Startfeld erinnert mich daran, dass wir uns vergangenes Jahr beim 600er getroffen haben.
Dann geht es bei bedecktem Wetter los. Immerhin, es regnet nicht und so sollte es bis ins Ziel bleiben. Das Dorf nimmt regen Anteil und die Starter werden beklatscht.
Sehr schnell zieht sich das Feld auseinander. Durch kleine und kleinste Dörfer und Straßen führt der Kurs. Das eine oder andere kurze Gespräch findet statt, aber bis zur ersten Kontrolle in Denkendorf fahre ich weitgehend alleine.
An der Tankstelle die üblichen Fragen anderer Teilnehmer: Ist das nicht sehr anstrengend, mit den kleinen Rädern, warum ich denn nicht mit dem Rennrad führe (ich besitze keines) usw?
Nach kurzer Rast geht es weiter. Zwei Radler vor mir fahren das gleiche Tempo, ich schließe auf und bleibe dicht hinter ihnen. Die Jungs sind schön groß, ich bin schön klein, die beiden haben Gegenwind, ich nicht.
Eine Weile später verlieren wir uns wieder, ein Radler und zwei Radlerinnen schließen zu mir auf und überlassen mir die Führung, da ich die Strecke schon etwas kenne. Bei km 85 geht es
scharf links und die Straße steigt, und wie. Der kleinste Gang und der beginnende Altersstarrsinn helfen den Berg hinauf ohne Absteigen, aber nur gerade so. Zwei km weiter die zweite Kontrolle in Ihrlerstein mit Ruhepause.
Nach Essen und Trinken fahre ich alleine weiter. Am Ortsende liegt Martins Quest im Gras. Die Kette ist runter und Martin ist am wurschteln. Es soll nicht lange dauern und er schießt wieder an mir vorbei.
Ab und an fahre ich ein Stück mit Franz. Wir finden aber keinen rechten gemeinsamen Rhythmus. Franz ist gesundheitlich etwas angeschlagen und hat bergauf Mühe. Dafür ist er im Flachen und bergab schneller. Endlich klappt es mit dem Rhythmus, zwei weitere Randonneure gesellen sich eine Weile zu uns, da muss ich schlagartig ins Gebüsch. Gut, dass eines da war. Also fahre ich wieder allein.
Die Umgehung bei Dietfurth ist mir etwas unheimlich, aber kaum ist der Ort passiert, da sehe ich Franz von rechts her kommen. Wer von uns beiden hat sich denn verfahren? Fünfhundert Meter voraus die beiden Kollegen von vorhin. Also dürfte die Richtung stimmen.
Es geht über den Rhein-Main-Donau Kanal. Da bin ich im Laufe der Jahre schon einige Male drüber gefahren, aber noch nie war ein Schiff zu sehen.
Zwanzig km später die Kontrolle Kinding. Essen, trinken, alles ganz entspannt, ich bin gut in der Zeit. Frank scherzt mit dem blinden Stroker des Tandems, am Tisch sitzt Jürgen, mit dem ich vor 2 Jahren den 400er gefahren habe, bis sein Rad die Mitarbeit verweigerte.

Ich fahre alleine weiter, aber nach zwei km begegnet mir Igor, ein junger Mann, der mit einem älteren MTB unterwegs ist. Wir kommen ins Gespräch, Igor ist ein netter Begleiter und passt sich meinem Tempo an. Bis zum Ziel sollten wir dann zusammen fahren. Zunächst freuen wir uns über die angenehm flache Strecke, aber das kann eigentlich so nicht bleiben. Und richtig, bei km 177 geht es scharf rechts und dann erst einmal berauf. Ab Schernfeld wird's besser und es beginnt zu dämmern. Licht einschalten, Warnwesten anziehen. Wenig später geht die Strecke flott bergab, muss so sein, denn hinter Pappenheim heißt es wieder klettern. In Pappenheim schnell noch die Kontrollfrage beantwortet und schon beginnt die Steigung nach Osterdorf. Nach fast 200 km muss ich beißen. Während ich noch überlege zu schieben, habe ich das steilste Stück hinter mir und erreiche schließlich Osterdorf.
Tatsächlich 20 Minuten weniger unterwegs als in Wankum.

Und wie heißt es so schön am Ende im Streckenplan: "... und die Welt ist in Ordnung."

(Danke an Heidi und Karl und die ganze "Organisationsfamilie".) Rolf Blenn